Wieso, weshalb, warum? Warum kann man nicht gönnen?

Die Frage stellt sich mir gerade. Um was es geht? Um das allgemeine nicht gönnen können.

Kann ich gönnen? JA!
Ich kann gönnen. Ich gönne meiner Kollegin das verlängerte Wochenende, die Fahrt wohin. Der Freundin den Urlaub und auch wenn sie eine Weltreise machen würde, dann gönne ich sie ihr.
Jetzt sagt ihr sicherlich: ja aber bitte, dass ist doch normal. Ja? Ist es das?

Ich habe schon so oft es selbst erlebt, dass es nicht normal ist. Und es sind alles nur Kleinigkeiten. Kleinigkeiten wie der frühere Feierabend, der Urlaub etc.

Ich fange um 6 Uhr an zu arbeiten zur Zeit. Plus/Minus Null könnte ich um 14.18 Uhr dann Feierabend machen. Würde ich den machen, heißt es dann von manchen Kollegen (und ich meine jetzt keinen spezifisch, sondern allgemein): Wie????? Schon Feierabend???

Warum? Warum muss man das so sagen?
Kann man nicht einfach sagen: oh das ist aber toll, dann wünsche ich dir einen tollen Feierabend. Geht nicht. Ist fast unmöglich.

Schreibt man z.B. bei Facebook: Endlich Urlaub!!, ist bestimmt bei den Kommentatoren jemand dabei, der schreibt: Wie, schon wieder??? Oder aber auch sehr beliebt: oooh du hast es gut, ich will auch….

Warum? Warum muss man das so sagen?
Kann man auch da nicht einfach sagen: oh super, ich freue mich für dich und wünsche dir einen erholsamen Urlaub..
Fährt man dann auch noch weg, ist bestimmt irgendein Freund/Kollege/Bekannter/Kommentator dabei, der sagt: wie schon wieder? Du warst doch gerade erst in Spanien…

Zur Hölle, selbst wenn ich 5 x im Jahr nach Spanien oder sonst wohin fliegen würde und im anstehenden Urlaub einen Karibikurlaub hinlege, warum kann man sich dann nicht einfach für denjenigen freuen?

Heutiges Beispiel wieder gehört auf der Arbeit. Ich bin bei den Kollegen sammeln gewesen für den Geburtstag einer Kollegin. Schon früher, weil ich zu ihrem Geburtstag in Urlaub in. Eine Person sagte dann zu mir: Urlaub? Du hast es gut. Manno, ich will auch…. aber ich habe noch 7 1/2 Wochen, dann hab ich endlich….. Ich hab ihr dann gesagt: naja, es ist mein erster Erholungsurlaub dieses Jahr, DU hast deinen doch schon gehabt für 4 Wochen…. Ja, dass vergisst sie nämlich gerne. Warum kann man nicht einfach sagen: das gönne ich dir! Das hast du dir auch wirklich verdient!

Ist das purer Egoismus oder Neid? Ich weiß es nicht. Aber als mir das vor ein paar Jahren mal aufgefallen ist, dass ich so etwas öfters lese/höre, habe ich mir selbst gesagt: ich nicht. Wenn jemand eine Reise bucht, dann freue ich mich für ihn. Geht er in Urlaub: toll, ich freue mich für dich. Ich mag einfach nicht so sein. Ich finde es ganz schrecklich, wenn ich so etwas lese/höre. Hab es auch schon bei Facebook bei anderen gelesen, die geschrieben hatten: hach endlich Urlaub und ein, zwei, drei waren bzw. sind immer dabei, die nicht wirklich „gönnen“ können.

Letztens auch meine eigene Schwester. Ich hab Freitags um 12 Uhr Feierabend gemacht. Anstatt mir einfach einen tollen Feierabend zu wünschen, folgte nur ein: du hast es gut.

Warum? Ich habe ihr nicht gesagt, dass sie länger bleiben muss. Oder sie keinen Feierabend machen darf. Ich kann ja nichts dafür, wenn sie noch länger arbeiten muss.

Ich finde es einfach nur traurig und wenn euch das noch nicht aufgefallen ist: achtet einfach mal darauf, wie es so bei euch ist. Sagt/schreibt ihr so etwas auch mal? Oder habt ihr es schon selbst erlebt und habt so etwas gelesen/gehört?

Natürlich kann man seinen engeren Freunden, die es auch richtig verstehen, durchaus mal sagen: was? Schon wieder???…. aber ich glaube, da versteht es sich von selbst, dass diese es richtig verstehen.

Ansonsten einfach mal gönnen, sich mit bzw. für andere freuen. Egal was es ist und auf was es sich bezieht. Macht das Leben viel lebens- und liebenswerter 😉

Heute vor einem Jahr..

… begannen die drei, vier bewegtesten und berührendsten und traurigsten Tage meines bisherigen Lebens. Plus die Nächte.
Heute vor einem Jahr kam am Vormittag der Anruf vom Krankenhaus. Die Nacht haben wir dort verbracht, allerdings im Besucherzimmer auf dem Gang. Meine Mama war bei Papa, ab und an schauten wir rein. Wir hatten ja schon Angst, dass es in dieser Nacht passieren wird. Wir wussten ja nicht, wie lange es dauern würde. Nur das es passieren wird, dass war leider klar.

Tag und Nacht war ich bei Papa. Nur in den frühen Morgenstunden eben schnell nach Hause gefahren und sich gewaschen und neue Sachen angezogen. Ansonsten nur bei Papa. Zwischendrin mal raus, raus aus dem Zimmer.

Es waren sehr bewegte Tage. Traurige Tage. Papa ahnte es, spürte es, wusste es wohl auch. Die Blicke zwischendrin von ihm, die er uns einzeln immer zugeworfen hat bzw. mit denen er uns angeschaut hat… sie gingen tief. Als würde er sich jeden einzelnen von uns einprägen wollen, zum mitnehmen quasi. Papa und ich haben uns ohne viele Worte verstanden. Zwischen uns war ein ganz tiefes Band.

Diese Zeit jetzt, sie ist so aktuell und so frisch da. Als würde ich es gerade wieder erleben.

Aber ich habe einen mir sehr wichtigen Menschen in meinem Leben, meinen Papa, bei seinem schwersten Gang begleitet. Ich habe einen Menschen beim Sterben Tag und Nacht begleitet. Aus dem Zimmer sind wir nur raus, wenn Papa mal musste. Die Flasche hat meist Mama gehalten, beim größeren Geschäft kam der Pfleger. Meine Schwester und ich und wenn mein Mann da war, sind dann immer raus. Diese Intimsphäre ging nur meine Mama etwas an. Aber ansonsten habe ich meinen Papa beim Sterben begleitet. Ich habe ihm die Beine mit Franzbranntwein eingerieben, weil ihm so heiß war. Ich habe Thermalwasser aus der Apotheke geholt und ihn eingesprüht, weil ihm so heiß war. Ich habe den Kühlschrank von der Station hochgedreht und ständig neue Wasserflaschen hinein gefüllt, weil Papa das Wasser eiskalt trinken wollte. Ich war diejenige, die am meisten diesen Gang gelaufen ist zum Kühlschrank.

Hat jemand schon mal jemanden beim Sterben begleitet? Bis zu seinem letzten Atemzug? Nicht nur die letzten Minuten oder die letzte Stunde dabei sein, sondern schon mehrere Tage, wenn es denn mehrere Tage gedauert hat? Ich hab nie damit gerechnet, dass ich so etwas mal erlebe. Aber mir war klar, als es dann unausweichlich war und wir wussten, dass Papa sterben wird, dass ich da nicht mehr von seiner Seite weiche. Und so schwer es auch gewesen ist, so bin ich auch froh, dass ich das erleben durfte. Das ich dabei sein konnte. Natürlich war es unsagbar schwer. In der Nacht am Bett zu sitzen und aufzupassen. Mama und meine Schwester haben dann geschlafen, ich saß am Bett. Oder Mama saß am Bett oder meine Schwester. Nachts haben wir uns abgewechselt. Aber immer da zu sitzen und Angst zu haben, dass es jetzt soweit ist.

Es ist ein sehr berührendes und sehr bewegendes Erlebnis. Es geht tief rein. Man vergisst es auch nicht. Ich selbst habe aber so keine Probleme damit, wenn ich an Papa denke, dass ich ihn da im Bett liegen sehe. Ich sehe Papa immer vor Augen, wie er vorher gewesen ist. Das ist ganz tief in meinem Herzen drin.

Mama hat sich der Blick von Papa bei seinem letzten Atemzug eingebrannt. Er hat sie wohl so groß angeschaut. Ich weiß es nicht, denn ich hab Papa zu dem Zeitpunkt umarmt, ihn geküßt und ihm gesagt, dass er der allerbeste Papa der Welt ist und ich ihn liebe.

Es waren wirklich sehr traurige Tage. Sehr bewegte. Aber ich möchte sie in meinem Leben auch nicht mehr missen.