01.06.2017 oder auch die Sache mit dem Leben und der Trauer

Für viele ist es der Beginn eines neuen Monats. Bei Instagram sieht man heute viele Bilder mit: Hallo Juni u.ä.. Für viele beginnt heute der Sommer, für viele ist einfach nur ein Monat.

Für mich? Für mich ist der 01.06. immer ein besonderes Datum. War es schon immer und wird es immer sein. Weil in meinem Herzen der 01.06. ganz fest verankert ist. Warum? Darum:

Mein Papili,

ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Liebe zum Geburtstag. Heute ist der 01.06., heute ist dein Geburtstag. Leider bist du nicht mehr bei uns. Leider können wir den 01.06. nicht mehr zusammen verbringen und deinen Geburtstag feiern. Du bist jetzt woanders, vielleicht schaust du uns zu. Im August werden es zwei Jahre, dass du nicht mehr bei uns bist. Das hier ist schon der 2. Geburtstag, den wir nicht mehr zusammen erleben können und zusammen verbringen können. Du bist einfach nicht mehr da. Das nennt man Leben. Denn der Tod gehört leider zu unserem Leben einfach dazu. Ich wusste es natürlich schon. Verstanden habe ich es aber erst am 06.08.2015. Denn ab da war unsere gemeinsame Zeit einfach zu Ende. Ich habe sie seitdem nur noch in meiner Erinnerung, in meinem Herzen. Ich vermisse dich und ich denke heute, aber nicht nur heute, besonders fest an dich.

Ich liebe dich!

Es ist ganz schön schwer, wenn ein Elternteil auf einmal nicht mehr da ist. Man fühlt sich wie so ein kleiner Baum, dessen Wurzel Lücken bekommen hat und man nur noch mit einer Wurzel leben und überleben lernen muss. Man muss sich tatsächlich neu finden, neu ordnen. Sein Leben und seinen Weg neu ordnen. Auch wenn alles irgendwie doch so weiter läuft wie vorher. Für andere nach außen sichtbar. Innen drin sieht es anders aus. Da ist alles gar nicht mehr wie vorher. Da ist alles ein großes Durcheinander gepaart mit Schmerz, Traurigkeit und Trauer. Und Trauer kann schon ein ganz großes Arschloch sein. Natürlich lernt man durchaus mit ihr zu leben. Auch geht jeder anders damit um. Aber ich habe viel gelernt. Ich habe z. B. gelernt, dass man nicht von anderen die Worte hören möchte: aber nun sollte doch mal langsam gut sein oder aber auch: trauerst du immer noch? Auch schön: du solltest damit lernen umzugehen etc…. Jeder, der trauert, hat diese Sätze oder ähnliche sicherlich schon mal gehört. Meist kommen sie von Leuten, die Trauer so gar nicht kennen. Weil sie Trauer noch gar nicht kennengelernt haben. Denn wenn sie Trauer kennen würden, dann würden sie so etwas gar nicht sagen. Ich höre auch oft die Frage: wie geht es denn der Mama? Kommt sie zurecht? Leider fragt mich im Gegenzug niemand, wie es mir damit geht, wie ich zurechtkomme. Kommt die Sprache auf den Tod, kommt automatisch die Frage: wie kommt die Mutti damit zurecht? Dabei haben wir Kinder doch auch jemanden verloren und auch wenn unser Leben natürlich durchaus so weiter geht wie vorher, so trauern wir trotzdem. Erzählt man dann, wie es der Mama geht, dann habe ich schon leider zu hören bekommen: aber so langsam sollte doch mal gut sein…. ist es immer noch so schwer für sie? Ach, sie nimmt es aber schwer…..
Anfangs macht es einen sprachlos. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Meine Antwort?: Mama kommt zurecht und soweit geht es ihr auch gut und sie hat gelernt, damit zu leben und umzugehen. Aber sie vermisst Papa immer noch wahnsinnig, es tut ihr immer noch weh und ja, natürlich trauert sie noch. Denn Trauer kennt keine Zeit. Letztens erst musste ich eine Person in die Schranken weisen. Es kam auch so ein Satz. Da habe ich nur gesagt: Mama lebt doch ihr Leben weiter, aber trotzdem darf und soll sie trauern. Es folgte nur Schweigen.
Was erwartet denn man? Mama kannte in ihrem Leben nichts anderes. Mama und Papa waren ein Leben lang zusammen. Soll quasi nach einem Jahr gut sein mit Trauer? Oh, der 06.08.2016. Nun ist er ein Jahr tot, zack nun trauer ich nicht mehr? Man hat den Eindruck, dass es so oder so ähnlich in den Köpfen einiger Menschen drin ist.
Traurig, aber leider wahr.

Natürlich lernt man im Laufe der Zeit mit der Trauer umzugehen. Aber es gibt immer Momente, in denen man an Papa denkt. Lustige und schöne Momente, aber auch traurige. Auch so traurige, dass man einfach nur da sitzt und weint. Man trauert. Das darf man auch immer machen, wann immer einem danach ist. Und da helfen keine Worte: aber nun sollte doch mal langsam gut sein. Was nimmt man sich denn mit diesen Worten eigentlich heraus? Wie kann man, als Außenstehender und manchmal auch als Fremder, sich solche Worte herausnehmen und damit über einen anderen Menschen urteilen? Trauer hört nicht auf. Trauer endet nicht an Tag X. Trauer wird immer da sein. Hat man einen Menschen verloren, dann wird man trauern. Trauer wandelt sich nur und man lernt einfach mit ihr zu leben. Man kann reisen und lustig sein, man kann auch vielleicht einen neuen Partner haben, aber trotzdem trauert man immer noch. Anders halt nur. Trauer wird vielleicht bei einem eine dankbare Erinnerung werden. Mit der Zeit kann man Trauer einfach besser ertragen. Trauer ist ein Teil deines Lebens geworden und man akzeptiert sie irgendwie, weil sie jetzt einfach zu dir gehört.

So wie ich in diesen fast zwei Jahren gelernt habe, dass das Leben tatsächlich irgendwann zu Ende ist und das es das Gefühl Trauer gibt und es nun zu mir gehört, so wünsche ich anderen Menschen: akzeptiert und respektiert ihr vor allem, dass es Menschen gibt, die trauern. Auch wenn ihr vielleicht Trauer kennt und einfach besser damit umgehen könnt und vielleicht für euch der Punkt ist, an sie nicht mehr greif- und fühlbar ist. Respektiert und akzeptiert bei anderen Menschen die Gefühle, die sie haben. Urteilt nicht: jetzt ist aber mal gut. Wenn für euch gut ist, dann akzeptiere und respektiere ich es doch auch. Dann finde ich es gut, dass ihr so gut gelernt habt damit umzugehen. Aber findet ihr es wiederum gut, dass es bei mir oder auch bei anderen vielleicht anders ist. Denn jeder Mensch ist anders. Und spart euch einfach eure Sätze. Denn leider wird für euch auch eines Tages der Tag kommen, an dem ihr das Arschloch Trauer kennenlernen werdet. Es ist nicht so, dass ich es euch wünsche. Es ist leider eine Tatsache, dass jeder von uns Trauer mal kennenlernen wird. Spätestens dann, wenn ihr trauert und euer Herz auch nach Wochen, Monaten oder einem Jahr noch schwer ist, werdet ihr merken, dass der Satz: aber nun solltest mal langsam oder trauerst du immer noch etc. pp. einfach nur Scheisse ist! Denn auch ihr werdet auf Menschen treffen, die genau das sagen werden.

Habt einfach also nur Verständnis, wenn ihr auf Trauernde trefft. Denn eines Tages werdet ihr auch Trauernde sein. Ihr werdet damit lernen umzugehen, ihr werdet weinen, aber auch lachen. Aber es wird immer mal wieder Tage geben, an dem es etwas schwerer ist. Das ist nicht schlimm, dass ist völlig normal. Denn das ist die Sache mit dem Leben.

In Erinnerung an einen ganz wunderbaren und wundervollen Menschen. An einen Menschen, mit einem herrlichen Humor und einer guten Seele.

Ein Herz von einem Menschen: mein Papa

                                                            01.06.1938 – 06.08.2015

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Unsere Hochzeit

Wie ich darauf komme? Gestern war unser 1. Hochzeitstag. Papierhochzeit nennt er sich, der 1. Hochzeitstag. Hier die Bedeutung: http://www.hochzeitstage-bedeutung.de/h/1-papierhochzeit.html

Candle-Light-Dinner? Wellness? Nichts von alledem war bei uns der Fall. Aber wir zwei sind eh anders als alle anderen. Waren wir schon immer und werden wir wohl immer sein 😉 Habe ich Blumen bekommen? Nein! Finde ich es schlimm? Nein! Sicher hätte ich mich gefreut, aber es ist jetzt kein Drama für mich. Wir waren zusammen unsere Hochzeitsgeschenke kaufen. Erwähnte ich, dass wir anders sind als andere Paare? Ja 😉 Wollte es nur noch einmal festhalten! Was haben wir gestern romantisches gemacht? Eingekauft, gefrühstückt, in die Stadt gefahren. Ich hab nach einer schwarzen Tasche Ausschau gehalten, mein Mann nach einem oder zwei schwarzen Oberteilen. Jeder ist fündig geworden. Dann habe ich noch so leichte Hosen gesucht: nennen sich Haremshosen oder so. Bunt, leicht, meist eng unten, mit Muster, also kurz gesagt Pluderhosen. Aber ist klar, wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann finde ich rein gar nichts. Irgendwann mit der Bahn zurück zum P&R Parkplatz gefahren und dann zu unseren Freunden und ihren Schlagbohrer zurück bringen und anschließend zu Mama. Denn im Auto hatten wir noch das große Bild von Papa, welches neben die Urne gestellt wird. Ja und dann halt wieder nach Hause. Sind wir dann Essen gegangen? Nein! Ihr erinnert euch, dass wir anders sind als…. Ihr wisst schon 😉

Auf der Couch ist uns beiden eingefallen: oh unsere Geschenke…. 😉 Wir haben uns gegenseitig Parfüm geschenkt. Ja, wir sind einfallslos. Aber sehr liebevoll im Umgang miteinander. 😉

Geheiratet haben wir übrigens auf einem Leuchtturm auf der schönen Nordseeinsel Pellworm. Zu fünft. Es war einfach nur wunderbar. Ich wollte keine große Hochzeit, keine große Feier. Noch nie. Ich finde solche großen Hochzeiten toll. Bei anderen. Und gönne jedem seine Hochzeit. Nur bei uns sollte sich niemand auf unsere Kosten durchfuttern;) nicht an unserem Tag! Klingt fies? Interessiert mich und uns nicht. Unser Tag war perfekt. Nur zu fünft. 140 Stufen hoch sich das Ja-Wort geben und anschließend Kapitänszeromonie bekommen. Es war etwas ganz Besonderes. Unsere Hochzeit. Zum Abendessen hatte ich mein Kleid (erwähnte ich, dass ich anders bin…es war kurz! So wie meine Haare, hab sie mir nicht extra wachsen lassen) schon nicht mehr an. Es war toll und ich liebe es heiß und innig. Aber es gab so gutes und leckeres Essen…da wollte ich einfach nur gemütlich angezogen sein und so haben wir uns nach Kaffee und Kuchen alle umgezogen. So sind wir. Und so bleiben wir. Denn es musste nur uns gefallen. ;))

Ich würde auch alles so ganz genau noch einmal machen. Gerne auf dem Leuchtturm (allerdings nur unter den alten Bedingungen, so wie wir geheiratet haben, gibt es das dort nicht mehr. Jetzt ist alles moderner). Gerne zu fünft. Leider geht das nicht mehr. Aber ich würde mich auch wieder umziehen. 😉

Möchte ich irgendwann mal kirchlich heiraten? Jein. Nicht kirchlich im herkömmlichen Sinne. Sondern nur uns selbst segnen lassen und unsere Ringe. Nicht groß, sondern klein. Gerne wollten wir zusammen mit meinen Eltern es machen. Dieses Jahr im Oktober. Wenn meine Eltern zu ihrer Platinhochzeit (naa… Wer errät, wieviel Jahre?) sich ihr Eheversprechen erneuen lassen wollten. Denn das es nicht mehr bis zur Diamantenen Hochzeit klappen wird, das ahnten wir ja schon. Leider ist auch das nicht mehr möglich. So werden wir zwei es irgendwann machen, wahrscheinlich zu viert dann. Wie gesagt, wir sind einfach anders als andere und das ist auch gut so. Und das ist auch das Besondere in unserer Beziehung.

Hier noch ein paar Bilder vom 14.08.2014: