Barfen oder Fertigfutter?

Nun ja, eine echte Empfehlung kann da niemand aussprechen. Denn jeder kann schließlich das Füttern, was er für richtig hält und was er füttern mag. Ich mag nur einfach von uns erzählen und wie wir es so halten und machen.  Vielleicht rege ich ja den ein oder anderen an, auch über die Ernährung seines Hundes nachzudenken. Was ich nicht will: ich will hier keinen Shitshorm lostreten.
Wir barfen unseren Eddie. Aber auch nicht von Anfang an. Er hat bis zu seinem 10. Lebensjahr Trockenfutter bekommen und ab und zu Nassfutter. Auch nicht immer die „besten“ Marken. Es gab durchaus Pedigree oder Cäsar. Aber ich wusste es nicht besser. Natürlich hat man gelesen. Aber ehrlich gesagt hat man bzw. ich oder mein Mann die Sachen auf dem Futter gelesen. Und das liest sich ja nunmal alles toll und schön. Keine Frage. Wir haben uns einfach nicht weiter schlau gemacht. Aber dem Hund ging es soweit ja auch ganz gut. Bis das er Blasensteine bekam und diese operativ entfernt werden mussten. Nun wurde uns von Seiten des Tierarztes geraten: Spezialfutter! Denn diese Steine können wieder kommen. Leichte Panik bricht da in einem aus kann ich euch sagen. Oh Gott, die Steine können wieder kommen. Man fragt nach, welches Futter, man glaubt seinem TA, denn Entschuldigung bitte: wenn nicht er, wer soll es denn sonst besser wissen? Ich möchte hier auch keinen TA schlecht machen. Aber Fakt ist leider, dass die Ernährung des Hundes im Studium leider viel zu kurz kommt und das viele TA ihre Praxiseinrichtung von Futtermittelherstellern bezahlt bekommen. Völlig legitim, denn schließlich kostet so eine Einrichtung auch. Und natürlich verkaufen sie auch das Futter dann. Jeder, der schon bei einem TA gewesen ist und zahlreiche Futterbeutel gesehen hat, kann sich denken, um welche Firma es sich hier handelt 😉 Meist gibt es zwei Firmen. Aber ob das Futter nun wirklich das Beste für den kleinen Liebling ist, dass sei jetzt noch einmal dahin gestellt 😉 Natürlich gibt es Futter gegen/für Blasensteine, für empfindliche Hunde, für allergische Hunde etc. etc. Und es gibt bestimmt durchaus auch Hunde, die damit bestens zurechtkommen. Mag ich gar nicht abstreiten. Die durchaus auch mit solch einem Futter alt werden können, ohne dass sie mal krank gewesen sind. Aber in der heutigen Zeit wird das leider immer seltener. Schaut man sich aber einmal die Inhaltsstoffe an, dann könnte man sich schon denken, warum so mancher Hund krank geworden ist. In den meisten Fällen sucht man einen hohen Fleischanteil vergebens. In den meisten Fällen steht irgendeine Getreideart (meist Mais) an erster Stelle. Hallo? Welcher Hund steht denn in einem Maisfeld und knabbert Maiskolben? Ich habe noch keinen gesehen! Was also hat Maismehl an erster Stelle in einem Futter zu suchen? An zweiter Stelle steht dann: Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (Geflügelfleischmehl, Lammfleischmehl). Meint ihr ernsthaft, dieses Mehl besteht aus 100 % Geflügel und Lamm? Falsch gedacht. Mit Glück enthält es vielleicht eine Mischung aus Leber, Sehnen,  Nieren, Pansen, Lunge. Aber auch nur mit viel Glück. Und das ist es halt. Man kann einfach nicht hinein gucken. Denn es kann auch sein, dass diese tierischen Nebenerzeugnisse schlicht und ergreifend einfach Schlachtabfälle sind und darunter zählen u.a.: Federn, Hufe, Wolle, Pelztierkadaver, Därme, Urin, Hirn etc. enthalten. Auf dieser Seite gibt es einen sehr informativen Einblick. Natürlich kann der Futtermittelhersteller es uns zusichern, dass derartiges nicht drin ist. Aber niemand von uns ist bei der Produktion dabei. Wir sehen nur das Endprodukt: eine zusammen gepresste trockene Krokette. Aber ich schweife ab.
Wie gesagt, auch wir haben es nicht besser gewusst und gemeint, wir füttern gutes und hochwertiges Futter. Nun weiß ich allerdings, dass gutes und hochwertiges Futter definitiv kein Getreide enthalten sollte. Auch sollte der Fleischanteil an erster Stelle stehen und zwar dann schon bitte auch mit mindestens 90 %!!
Unser Eddie bekam nun also von der Firma XY Spezialfutter. Es ist die Firma gewesen, die wir vorher auch schon gefüttert hatten. Unseres wurde nicht von unserem TA vertrieben. Aber unser Eddie war, was TF (Trockenfutter) angeht, schon immer ein schlechter Fresser gewesen. Jetzt mochte er es kaum noch. Außerdem sollte er doch viel viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Aber frisst er TF, nimmt er kaum Flüssigkeit auf. Bei NF (Nassfutter) geht das schon etwas besser. Aber im großen und ganzen gefiel er uns auch gar nicht mehr so. Er ist in allem etwas langsamer geworden. Naja kam der Gedanke auf: er ist doch schon 10! Nein stop! Wir haben einen Jack Russell Terrier und wer diese Rasse kennt, der weiß auch, dass 10 Jahre noch kein wirkliches Alter für diese Rasse ist. Ich habe angefangen im Netz zu recherchieren und zu lesen. Irgendwann kam ich auf eine Seite, die das Verhältnis von Flüssigkeit dargestellt hat. Und da stand ganz klar, bei Frischfleisch plus Obst Gemüse (O/G) liegt der Flüssigkeitshaushalt bei über 90 %. Im Grunde somit ideal für unseren trinkfaulen Hund. Denn das beste Spezialfutter nützt doch nichts, wenn der Hund nicht genügend trinkt. Wir selbst wissen doch, wenn man Probleme mit der Blase hat, soll man viel trinken!! So näherte ich mich also dem Thema Barf an. Ich las mehr, fand natürlich am Anfang alles total unübersichtlich und irritierend. Hatte auch Sorge, dass mein Hund unterversorgt ist und und und. Aber mir wurde klar: wir müssen was ändern und Barf muss das Richtige sein. Durch Querlesen in einem Forum bin ich auf eine Tierheilpraktikerin (THP) gestoßen. Ich habe mir ihre Homepage angeschaut und sie kontaktiert. Ich habe sie um einen Futterplan für unseren Eddie gebeten. Der Kontakt war total lieb und nett und sehr komplikationslos. Es lief per Mail ab. Ich musste einen 10seitigen Fragebogen zum Hund ausfüllen und im Anschluß daran gab es noch ein Telefonat um weiteres noch abzuklären und um Fragen zu stellen. Dann wurde von ihr der Futterplan erstellt und Eddie? Er hat die Umstellung mehr als akzeptiert 😉 Er liebt sein Futter jetzt und wehe, er ist über der Zeit!! Anfangs waren wir noch vorsichtig und haben alles ganz genau abgewogen. Aber man wächst hinein und so machen wir auch nicht mehr alles ganz genau nach dem Plan 😉 Natürlich halten wir uns daran, aber er bekommt nicht mehr an Tag X nur Fleisch mit Leber, sondern wir lassen alles zusammen mischen: Muskelfleisch, Herz, Leber, Niere und portionieren das nur noch vor. Obst und Gemüse? Da darf Eddie (aufgrund der Vorerkrankung Blasensteine und hier Calziumoxalatsteinen) nicht alles an O/G. Gemüse muss auch gekocht werden. Aber auch hier sind wir schon viel lockerer und entspannter geworden als am Anfang. Man wächst mit der Zeit so da hinein und dann empfindet man das gar nicht mehr als schwer oder kompliziert. Man hat auch keine Sorge mehr, dass man etwas falsch machen könnte 😉 Eddie bekommt nur keine frischen Knochen, denn leider verträgt er diese nicht. Er findet sie toll, nur kotzt er am nächsten Tag alles aus. Ab und zu gibt es einen frischen Hühnerhals. Wie denken jetzt vielleicht viele: Hühnerhals? Also Geflügelknochen? Die darf man doch gar nicht geben…… DOCH! Darf und kann man geben. Aber bitte bitte nur frische Knochen! KEINE gekochten/gegarten Knochen, denn diese splittern. Frische Knochen darf der Hund, aber keine gekochten/gegarten!!
Wenn wir Fleisch holen, dann wird es direkt immer portioniert. Die Grammzahl, die Eddie bekommt, kommt dann in eine kleine Plastikschüssel und alles wird dann eingefroren. Mittlerweile sind wir sogar dazu übergegangen, seinen O/G Anteil direkt zum Fleisch zu geben. So haben wir Platz in der Tiefkühltruhe gespart. Die braucht man natürlich schon. Oder zumindest drei, vier Gefrierfächer. Je nachdem, wieviel eingefroren wird. Andere füttern auch direkt aus der Verpackung.  Es gibt so viele Möglichkeiten und auch sehr viele Möglichkeiten, sich über diese Fütterung zu informieren. Bei Facebook gibt es einige Barfgruppen und man findet in einer guten auch Ernährungsberater, die einem auch einen Futterplan erstellen. Wenn man erst keine Ahnung hat und sich unsicher ist, lasst einen machen. Kostet keine Unsummen und ihr lernt dadurch nur und braucht auch keine Angst zu haben, dass der Hund vielleicht unterversorgt ist. Aber glaubt mir: Barfen ist bedeutend gesünder als fertiges Tierfutter. Außerdem wisst ihr, WAS ihr füttert. Ihr kennt ganz genau den Inhalt des Futters und euer Hund wird es euch danken. Es mag auch Hunde geben, die vertragen es nicht. Hier würde ich es vielleicht doch noch einmal mit Hilfe einer THP oder eines zertifizierten Ernährungsberater es noch einmal probieren. Vielleicht denkt man, man hat alles richtig gemacht und der Hund hat Durchfall bekommen oder Blähungen und dann: er verträgt es nicht. Aber vielleicht hat man selbst ja nur etwas falsch gemacht. Oder es war das falsche Fleisch.
Warum bin ich jetzt doch so „penetrant“ mit meinem Barf? Viel liest man auch: Barfer sind so militant, sie kennen nichts anderes mehr und wollen jeden missionieren. Vielleicht ist aber auch nur ein Teil dieser Barfer auch über Umwege daran gekommen. Weil der Hund krank geworden ist, weil er Allergien hatte, Juckreiz oder schlechtes Fell usw. und dann ist man an das Barfen gekommen und dem eigenen Hund geht es auf einmal soviel besser. Ich für meinen Teil kann nur sagen: Eddie ist durch die Futterumstellung drei, vier Jahre jünger geworden. Das sagten damals auch unsere Freunde, die ihn von Anfang an kannten. Er ist im Ganzen viel fitter geworden, er hat ein ganz wunderbar glänzendes Fell bekommen und sein Urin ist top! Ich sehe einfach, WIE gut es meinem Hund geht und was für eine Wandlung er gemacht hat. Daran sehe ich, dass ich alles richtig gemacht habe und ja, da kann man schon mal etwas eindringlicher werden und sagen: Barf ist klasse, warum barft ihr nicht?
Nichtsdestotrotz akzeptiere ich jede Fütterungsart. Ich muss sie ja nicht gut finden 😉 Es reicht ja, wenn ich sie akzeptiere. Würde es nach Eddie vielleicht noch mal einen anderen Hund geben, dann würden wir diesen ebenso barfen.
Es gibt übrigens auch reichlich Lektüre zu dem Thema. Die Bücher von Swanie Simon sind hier übrigens mehr als zu empfehlen. Hier ist auch ihre Homepage, auf der man auch einiges Wissenswertes findet. Ausserdem kann ich, wenn ihr euch fürs Barfen interessiert, diesen Blog hier nur ans Herz legen. Dort findet ihr Erklärungen, was Barf eigentlich ist, einen Barf-Rechner habt ihr dort, Tipps und Hinweise zur Umstellung und vieles mehr. Er ist sehr interessant geschrieben. Aber auch so beinhaltet dieser Blog sehr sehr interessante Themen!
Schaut einfach mal vorbei. Ansonsten, wenn ihr bis jetzt durchgehalten habt, kann ich nur Danke fürs Lesen sagen 😉 Vielleicht überdenkt ja doch der ein oder andere doch sein Hundefutter einmal. Und ich meine jetzt nicht, dass es unbedingt Barf sein muss. Aber schaut einfach nur genauer hin und auf den wahren Inhalt eures Futters. Denn auch wir Menschen achten doch auf unsere Ernährung, warum dann nicht auch auf die unseres geliebten Vierbeiners?